Gesund alt werden – Große Unterschiede zwischen den EU-Ländern
28.11.2008 Die stetig zunehmende Lebenserwartung in den Ländern der europäischen Union ist noch kein Beweis dafür, dass die zusätzlichen Jahre auch bei guter Gesundheit verbracht werden.
Ein britisches Forschungsteam um Carol Jagger, Professorin für Epidemiologie an der Universität Leicester, erhob in einer EU-weiten Studie Daten über die Lebenserwartung und Lebensdauer, die ein Mensch ohne krankheitsbedingte Beeinträchtigung der Lebensqualität ab seinem 50. Geburtstag verbringt (The Lancet, doi:10.1016/S0140-6736(08)61594-9). Dieser so genannte HLY-Wert ab 50 (healthy life years at 50) variierte erheblich zwischen den 25 EU-Ländern. Nach Meinung der Autoren müssen in einigen Ländern substantielle Verbesserungen im Gesundheitssystem unternommen werden, um das EU-Ziel, die Beschäftigungsrate der Bevölkerung zwischen 55-64 Jahre bis 2010 auf 50 % anzuheben, zu erreichen.
Wie erwartet zeigten sich Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Auffällig war jedoch, dass die Lebenserwartungen und die HLYs ab 50 in den 15 ‚etablierten’ EU-Ländern höher waren als in den zehn zuletzt beigetretenen Mitgliedstaaten.
Bei Männern war mit 80 Jahren die Lebenserwartung in Italien und Schweden am höchsten, in Lettland und Litauen mit 71 Jahren dagegen am geringsten. Die meisten HLYs ab 50 erreichten mit 24 Jahren dänische Männer, während die männliche Bevölkerung Estlands ab dem 50. Lebensjahr nur mehr 9 Jahre bei guter Gesundheit verbrachte.
Bei Frauen war mit 85 Jahren die Lebenserwartung in Frankreich, Italien und Spanien am höchsten, in Lettland und Ungarn mit 79 Jahren am geringsten. Auch dänische Frauen verbrachten 24 HLYs ab 50 und lagen damit bei weitem vor den estnischen Frauen mit nur 10 gesunden Jahren.
In Deutschland ergab sich laut Statistik eine Lebenserwartung von 79 Jahren für Männer und 83 Jahren für Frauen. Sie lag damit etwas über bzw. entsprach dem EU-weiten Durchschnitt von 78 Jahren bei Männern und 83 Jahren bei Frauen. Dagegen war die Anzahl gesunder Lebensjahre ab 50 bei Männern mit 13 Jahren und bei Frauen mit 14 Jahren deutlich geringer (EU-Durchschnitt: 17 Jahre bei Männern, 19 Jahre bei Frauen).
Für Männer zeigte sich über alle Länder hinweg ein deutlicher Zusammenhang zwischen Langzeitarbeitslosigkeit und geringen HLY-Werten.
In einem begleitenden Kommentar äußerten Dr. Errol Crook und Dr. Terry Hundley aus der Abteilung ‚Innere Medizin’ der Universität in Alabama, dass der HLY-Wert einen besseren Einblick in den Gesundheitszustand der Bevölkerung gewähre als die Anzahl der zu erwartenden Lebensjahre. Der HLY ab 50 eigne sich daher besser als Berechnungsrundlage für zukünftige Investitionen im Gesundheitsbereich.

